Eine Antwort der ArbeiterInnen auf Schließungen und Massenarbeitslosigkeit

Zanon: Fabrik ohne Chefs

Raúl Godoy ist Arbeiter bei Zanon, führendes Mitglied der PTS und im argentinischen Neuquén örtlicher Abgeordneter für die „Front der Linken und der ArbeiterInnen“ (FIT). Die FIT besteht aus drei trotzkistischen Parteien, der Lista Marrón (Gewerkschaftsliste von Keramik-ArbeiterInnen) und der Gewerkschaft für Keramik-ArbeiterInnen und -angestellten (SOECN) aus Neuquén.

Im Angesicht vieler Stilllegungen entstand eine Bewegung der Wiederinbetriebnahmen von Fabriken. Im Süden Argentiniens wurde Zanon – die größte Keramik-Fabrik in Süd-Amerika – von den dort Arbeitenden besetzt und unter ArbeiterInnen-Kontrolle gestellt.

Fabrik unter ArbeiterInnen-Kontrolle: Die Fabrik gehört der Bevölkerung

Raúl Godoy sagte: „Der Kampf bei Zanon war eine Antwort unserer Klasse gegen die kapitalistische Krise Argentiniens. Diese Krise sandte beinahe 2.000 Fabriken in den Bankrott. Unsere Erfahrung ist ein kleines Beispiel dafür, wie ArbeiterInnen Betriebsschließungen begegnen können. Die KapitalistInnen müssen die Krise bezahlen!“

Unter ArbeiterInnen-Kontrolle schuf die Fabrik Zanon hunderte neuer Arbeitsplätze. Diese wurden demokratisch unter den örtlichen Organisationen der Arbeitslosen verteilt. Zanon war für die Lohnabhängigen ein Lehrstück in Sachen Planung, der Organisation der Produktion in Versammlungen, an denen sich Delegierte aller Bereiche der Fertigung beteiligen. Mit der Parole „Wenn sie einen von uns schlagen, schlagen sie alle!“ sprachen die ArbeiterInnen von Zanon ihre Aktionen mit anderen Arbeitskämpfen ab. Auch schlossen sie solidarische Verbindungen mit Studierenden, den indigenen Mapuche, Kunstschaffenden und der Jugend. Die Kampagne der ArbeiterInnen für Enteignung und Verstaatlichung unter ArbeiterInnen-Kontrolle zum Nutzen der Bevölkerung von Neuquén wurde sehr beliebt. Beispiele wie dieses zeigten, dass Lohnabhängige die Fabriken in den Dienst der Bevölkerung stellen können. Spenden gingen an Schulen und medizinische Einrichtungen wurden in armen Nachbarschaften gebaut. Dutzende Konzerte wurden auf dem Vorhof abgehalten und Kunstschaffende wie SKA-P und Manu Chao gaben solidarische Auftritte. Die Statuten der Gewerkschaft der Keramik-ArbeiterInnen (SOECN) wurden verbessert. Das neue Statut legte fest, dass FunktionärInnen nach ihrer Amtszeit wieder an ihren Arbeitsplatz zurück müssen.

Über elf Jahre hinweg erlebten die ArbeiterInnen von Zanon harte Kämpfe und polizeiliche Repression. 2009 wurde die Fabrik schließlich enteignet. Doch der Kampf um Verstaatlichung unter ArbeiterInnen-Kontrolle geht weiter.

Eine Rundreise um Erfahrungen auszutauschen

Aktionen und Versammlungen in Frankreich, Griechenland, Deutschland und im Spanischen Staat

Raúl Godoy wird an Versammlungen und Debatten teilnehmen und sich mit kämpfenden ArbeiterInnen in Frankreich, Griechenland, Deutschland und Spanien treffen.

Spanischer Staat

Godoy wird am 14. Mai an einer Podiumsdiskussion in Barcelona teilnehmen. Am nächsten Tag wird Raúl gemeinsam mit der CGT von Katalonien mehrere Fabriken besuchen, wo er die Möglichkeit haben wird, mit ArbeiterInnen zu sprechen. So die Fabrik FICOSA, eine katalanische Fertigungsstätte für Fahrzeug-Bestandteile, die an SONY verkauft und umstrukturiert wird. ArbeiterInnen dieser Fabrik sind auch gegen die Verschärfung von Arbeitsgesetzen auf die Straße gegangen.Godoy wird auch dem Autowerk SEAT, mit mehr als 15.000 ArbeiterInnen dem größten seiner Art in Katalonien, einen Besuch abstatten und gemeinsam mit Delegierten der CGT essen. Abschließend wird er KollegInnen der FUNOSA Eisengießerei besuchen; einer äußerst bekannten Fabrik in einer der am meisten benachteiligten Regionen Kataloniens. Unter der Führung von CGT-Delegierten, die eine Mehrheit im Betriebsrat besitzen, haben Beschäftigte von FUNOSA schon zweimal versucht, die Anlage sowie die Produktions-Leitung zu übernehmen. FUNOSA-ArbeiterInnen werden die Möglichkeit haben, ihre Erfahrungen mit Godoy zu teilen und ebenso aus erster Hand von den Erfahrungen von Zanon zu hören.

Frankreich

Godoy wird sich an einer Konferenz der NPA beteiligen und anschließend die Citroen-Fabrik in Aulnay besuchen. Dort wird seit vier Monaten gestreikt. Anschließend wird Godoy zur Goodyear-Fabrik in Amiens-Nord reisen, um sich mit den Beschäftigten solidarisch zu erklären, die seit Monaten gegen die Schließung des Firmengeländes kämpfen. Die ArbeiterInnen dieser Fabrik diskutieren die Möglichkeit, eine Genossenschaft zu gründen und die Fabrik unter ArbeiterInnen-Verwaltung zu stellen. Am 18. und 19. Mai wird Raúl Godoy beim „Fest von Lutte Ouvrière“ sein; einem Zusammenkommen von tausenden Mitgliedern und Unterstützenden linker Parteien und Gewerkschafts-AktivistInnen aus Frankreich und anderen europäischen Ländern. Dort wird er am Sonntag um 13 Uhr im Cité Politique eine Rede über Zanon halten.

Griechenland

Nach seinem Besuch in Frankreich und im Spanischen Staat wird Raúl Godoy nach Griechenland reisen, um dort mit kämpfenden ArbeiterInnen, AktivistInnen und mehreren Organisationen an verschiedenen Treffen und öffentlichen Veranstaltungen teilzunehmen. Am 1. Mai fand der zweite Generalstreik 2013 gegen die Kürzungspolitik statt. Hunderttausende von griechischen Jugendlichen und ArbeiterInnen protestierten gegen Sparmaßnahmen und die hohe Arbeitslosigkeit. Es wird eine Verschlechterung der Situation in Griechenland erwartet, da in Folge der neuen Reformen, die vom griechischen Parlament angenommen wurden, u.a. 15.000 Arbeitsplätze im öffentlichen Bereich während der nächsten zwei Jahre gestrichen werden sollen. In dieser spannungsgeladenen Situation wird Godoy an einer Podiumsdiskussion und mehreren Treffen mit griechischen ArbeiterInnen und Jugendlichen in Athen teilnehmen. Er wird in Thessaloniki die Beschäftigten von Vio.Me treffen; einer Fabrik für Baumaterialien die momentan unter ArbeiterInnen-Kontrolle steht. Er wird seine Rundreise in Griechenland mit einer Veranstaltung in Thessaloniki abschließen.

Deutschland

Der letzte Halt von Godoys Europa-Reise ist Deutschland. Dort organisiert RIO (Revolutionäre Internationalistische Organisation) eine Veranstaltung in Berlin. Ziel ist es, die Erfahrungen von Zanon mit einer Gruppe junger AktivistInnen und ArbeiterInnen zu teilen.

Wir wünschen Raúl eine sehr erfolgreiche und ergiebige Reise.

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